Wong’s Kindheit

Geboren im Hongkong am 8. Mai 1935 als ältester Sohn eines traditionellen kantonesischen Arztes, wuchs Wong Shun Leung in der harten Welt von Knochenbrüchen, Blutergüssen und Senfumschlägen, unter Regalen voller Heilkräuter auf, die über Jahrtausende hinweg entwickelt wurden, um innere Verletzungen jeder Art zu heilen. Als Kind hörte er fantastische Legenden über beinahe übermenschliche Männer, die ihren Körper total beherrschten und ihn wie eine scharfe Waffe einsetzten, und das natürlich immer in völlig aussichtslosen Situationen. Da sein Vater sich in der örtlichen Kung Fu Szene auskannte, traf Wong auf eine recht repräsentative Auswahl von Hongkong´s Kämpferelite, und er fragte sich, wie mächtig und geschickt sie wohl in Wirklichkeit waren. 

Seine Neugier und sein Interesse an Kampfkunst wurden zuletzt beinahe täglich größer. Als er acht Jahre alt war, konnte man ihn in einer dunklen Ecke in irgendeinem Kino finden, wie er die letzten Reste eines Kung Fu Stummfilms verschlang. 

Um Wong´s bereits blühende Fantasie weiter anzustacheln, wollte es der Zufall, dass sein Großvater ein sehr guter Freund von Chan Wah Shan war, der erste von Yip Man’s Ving Tsun Lehrern. Vater und Großvater erzählten ihm von Chan’s kämpferischem Ruhm, ganz besonders bei einem bestimmten Zwischenfall, als Chan als alter Mann in aller Öffentlichkeit den wilden jungen Kämpfer Foshan besiegte. 

Wie das Schicksal es wollte, entdeckte Wong Shun Leung schon bald sein absolutes Lieblingshobby- kämpfen. Die Schule langweilte den jungen Wong, und so begann er, abgelegene Plätze aufzusuchen, wie zum Beispiel die Dächer von Appartementkomplexen und abgeschlossener Garagen in Hongkong- Plätze, die Raum boten für Aktivitäten, die nicht im Lehrplan standen, ohne dass sich die Polizei einmischte. Hier wurden die meisten lokalen Vergeltungen, Bandenkriege und persönlichen Probleme diskret geregelt. Diese Duelle entbehrten jedoch nicht eines gewissen Sinns für Ehre, und Wong lernte die gültige Etikette schnell- erst schlagen, dann fragen. 

Er wurde langsam besser, und es entstanden Freundschaften mit ein paar Kung Fu Lehrlingen, die ihn nach und nach überzeugten, richtigen Unterricht zu nehmen. Mit 15 und 16 probierte Wong mehrere Kung Fu Stile aus, und blieb erst beim Tai Chi Chuan, später dann beim westlichen Boxen hängen. Boxen mochte er am liebsten, weil er es für am praktischsten hielt für die Straßenkämpfe. Er fand einen Lehrer und trainierte regelmäßig. Leider schlug er seinem Lehrer eines Tages etwas zu hart ins Gesicht. Der Coach, zornentbrannt, begann daraufhin, Wong zu Brei zu schlagen. Aus Mund und Nase blutend, gelang es Wong, seinen Coach in die Ecke zu treiben und ihn kaltblütig knock out zu schlagen. Das war´s dann mit dem Boxunterricht; Wong hatte keinen Respekt mehr vor seinem Lehrer.

Wong Shun Leung Wong Shun Leung in Holland Wong Shun Leung
Wong Shun Leung, Yip Man Wong Shun Leung in Holland Wong Shun Leung Wong Shun Leung and Bruce Lee on the set of 'Enter the Dragon'