Wong trifft Bruce Lee

In dieser Zeit hatte William eine enge Freundschaft mit einem anderen Jungen im gleichen Alter. Oft gingen die beiden zusammen zu Kämpfen, und William brachte ihn eines Tages mit zu Yip Man´s Schule. Das war das erste Mal, dass Wong Shun Leung Bruce Lee sah. Wong fand, dass Bruce Lee das Ving Tsun Training anfangs nicht richtig ernst nahm; dementsprechend ging es langsam voran. Er fand auch, dass Bruce Lee eine Neigung zur Faulheit hatte, und sich immer, wenn er Probleme hatte, sei es mit einem Gegner oder der Polizei, auf William oder auf die Beziehungen verlies, die sein Vater zur Polizei hatte, um ihn ´rauszuschlagen. 

Bruce sah immer zu William als Kämpfer auf, und als William mit 18 nach Australien ging, war Bruce plötzlich ganz allein einer feindlichen Umgebung. Das war der Moment, in dem er sich an Wong Shun Leung wandte, und anfing, ernsthaft Ving Tsun zu trainieren. 

In der Zeit, in der Bruce an der St. Francis Secondary School in Sam Shui Po war, war es ihm gelungen, ein paar Klassenkameraden zu überreden, auch Ving Tsun zu erlernen. Als er dann seine eigene Einstellung geändert hatte, versuchte er, mehr Unterrichtszeit von Wong zu bekommen. 

Eines Tages bat er Wong um Privatstunden; als Wong ablehnte, fand Bruce eine andere Lösung. Er rannte gleich nach der Schule zu Wong´s Haus, um vor seinen Klassenkameraden da zu sein. Als sie dann ankamen, sahen sie Lee ziemlich enttäuscht auf der Treppe sitzen. Er behauptete, Wong sei nicht da, und sie gingen alle zusammen wieder weg. Kurz darauf kam Bruce wieder zurück, und ohne Probleme hatte er seine Privatstunde. Bruce Lee übte eineinhalb Jahre lang beinahe täglich mit Wong. Er erwies sich als ein geschickter und innovativer Schüler. 

Wong Shun Leung

Nach Auffassung Wong´s war das Chi Sau die große Stärke Bruce Lee´s. Er hatte seine Reflexe derart entwickelt, dass er beinahe augenblicklich auf so gut wie jede Kraft reagieren konnte, die bei einem Angriff auf ihn ausgeübt wurde. Lee hätte gern noch viel länger bei Wong trainiert, aber das Schicksal und sein komplizierter Lebensstil wollten es, dass seine Eltern ihn zum Studium nach Übersee schickten.