Veränderungen im Ving Tsun

Seit dem Tode Yip Man´s hat sich einiges verändert im Ving Tsun. Immer dann, wenn ein bestimmter Stil populär wird, zieht er unweigerlich viele Menschen an, die hauptsächlich hinter Ruhm und Geld her sind. 

Wong Shun Leung war in dieser Hinsicht ein Purist. Er wusste natürlich auch, dass Popularität oft dazu führt, dass die ursprünglichen Theorien verändert und neue Wege gesucht werden. Es lag ihm sehr am Herzen, dass jeder, der etwas verändern wollte, erst einmal das bestehende System gut gelernt hatte. Er hoffte, dass auf diese Weise die wesentlichen Elemente erhalten blieben. Deshalb war er auch bereit, einige grundlegende Ving Tsun Techniken und Theorien auf einem Video mit dem Titel „Wing Chun- The Science of In-Fighting“ zu demonstrieren. Der theoretische Hintergrund des Systems ist jedoch viel zu weitreichend, als dass er sich auf einer Videokassette erfassen ließe. 

Über die wichtigen Aspekte des Ving Tsun Kung Fu sagte Wong: Ving Tsun ist die Fertigkeit, im richtigen Moment die richtige Kraft einzusetzen, um einen Gegner zu besiegen. Dieses Ziel mit einem Minimum an Energie zu erreichen bedeutet, dass man seine Bewegung ökonomisiert. Dies ist eines der grundlegenden Prinzipien des Ving Tsun. Der primäre Angriff besteht in einem Fauststoß, bei dem der Arm zum Zeitpunkt des Auftreffens noch leicht nach oben gebeugt ist. Hierfür gibt es einen sehr guten Grund, der nicht allen Ving Tsunnern bewusst ist: ist der Arm zum Zeitpunkt des Auftreffens schon so gut wie gestreckt, kann die Widerstandskraft des gegnerischen Körpers über den Arm auf den eigenen Körper „zurückfließen“. Die führt zu einem Moment der Instabilität und verlängert somit die Reaktionszeit bis zur nächsten Aktion. 

Der Ving Tsun Punch schafft demgegenüber einen anderen Ausweg für die Widerstandskraft des Gegners: entlang dem Winkel des Unterarms herunter in den Boden. Auf diese Weise kann man so hart schlagen wie man will, wenn nur das Timing stimmt. Chi Sau ist ein Paradebeispiel für die Ökonomie der Bewegung. 

Wong Shun Leung

Nach dem Newton´schen Trägheitsgesetz bleibt ein Körper in Ruhe, bis eine Kraft von außen auf ihn einwirkt. Einmal in Bewegung, wird er in Bewegung bleiben, es sei denn, eine andere äußere Kraft wirkt der Bewegung entgegen. In einem Kampf entstehen eine Reihe schneller Bewegungen, deren Kräfte aufeinander einwirken.