Holzpuppe

Auf sehr kleinen Abstand, wenn die meisten Stile früher oder später mit Festhaltetechniken anfangen, werden die Ving Tsun Angriffe erst so richtig effektiv. Viele Kung Fu Kämpfer betrachten die Holzpuppe lediglich als ein ideales Trainingsgerät, um Hände und Unterarme zu stärken. Wong erinnert uns daran, dass die Holzpuppe einen Mann mit Armen und Beinen repräsentiert, auch wenn sie aus hartem Holz gemacht ist. 

Der Zweck der Holzpuppe ist es, das richtige Timing während eines Angriffs zu üben. Das bedeutet, dass die Fähigkeit verstärkt werden soll, gleichzeitig und im richtigen Winkel sowohl zu blockieren und zu punchen. Der Lehrer kann die Fortschritte eines Lehrlings schon alleine dadurch verfolgen, dass er ihm oder ihr beim Training zuhört. Die Geräusche allein geben schon an, ob ein Lehrling die richtige Koordination und Technik entwickelt hat, die für die fortgeschrittenen Funktionen des Ving Tsun notwendig sind. 

Viel diskutiert wird die Frage, ob das Ving Tsun Beintechniken beinhaltet. Dies beruht auf einem Missverständnis, welches aus zwei Gründen entstanden sein dürfte: erstens blieben nur sehr wenige Lehrlinge lange genug bei ihrem Lehrer, um Tritttechniken zu erlernen; zum zweiten wurden die meisten Kämpfe, bei denen Ving Tsun zum Einsatz kam, ohne den Einsatz von Beintechniken entschieden. 

Nach Wong gibt es keinen praktischen oder logischen Grund, einem Lehrling fortgeschrittene Beintechniken beizubringen, bevor er die Handtechniken beherrscht. Der Grund ist, dass man die Hände in kontinuierlicher Bewegung halten kann, ohne dass das einen großen Effekt auf die Gesamtstabilität hat; wenn aber das Bein den Boden einmal verlassen hat, muss es schnell wieder zum Boden zurückkommen, sonst wären alle Vorteile auf der gegnerischen Seite. Um stabil zu bleiben, ist es besser, Fußtritte nur für Angriffe unterhalb der Hüfte zu verwenden.

Wong Shun Leung